Filtersack

Das Anfaulen des Abwassers in Mehrkammerabsetzgruben mit den damit verbundenen Nachteilen führte 1986 in Österreich zur Entwicklung des Filtersacksystems. Bei diesem - in Deutschland weitgehend unbekannten - Verfahren durchfließt das Rohabwasser frei in der Luft hängende, nicht eingestaute Gewebesäcke; Grobstoffe werden in den Säcken zurückgehalten. Die Filterwirkung des Gewebes wird dadurch verstärkt, dass sich im Betrieb sehr bald ein Filter aus abgeschiedenen Stoffen aufbaut, der einen hohen Abscheidegrad von ungelösten Stoffen bewirkt.

Bemessung

Für das Filtersacksystem bestehen keine Normvorschriften.

Die Säcke werden in unterirdischen Kammern zweistraßig so angeordnet, dass zuerst die Säcke einer Straße der Reihe nach beaufschlagt werden. Wenn bei allen Säcken dieser Straße die Füllkapazität erreicht ist, wird mit einem Steckschieber die zweite Straße in Betrieb gesetzt. Die gefüllten Säcke können nach dem Umschalten auf die zweite Straße unter aeroben Bedingungen über längere Zeit abtropfen, wobei neben einer Entwässerung auf 15 - 20% TS auch ein gewisser Kompostierungseeffekt zu beobachten ist.

Anwendung

Einsatz bei < 10 EW

Das Filtersacksystem ist eine Alternative zu den herkömmlichen mechanisch wirkenden Mehrkammergruben, sofern eine Höhenstufe von ca. 1 m zur Verfügung steht. Es wird sinnvollerweise für kleine Kleinkläranlagen mit einer Ausbaugröße < 10 EW eingesetzt. Der Vorteil des Filtersacksystems liegt im Frischbleiben des Abwassers und darin, dass nur Feststoffe und kein Schlammwasser zu entsorgen sind; nachteilig sind die notwendige Manipulation der Säcke und der Höhenverlust innerhalb der Anlage.

Reinigungswirkung

Über die Reinigungswirkung wurde bisher nur sporadisch berichtet. Danach scheint die Abnahme bei BSB5 und CSB mit jener von Mehrkammerausfaulgruben vergleichbar zu sein.

Reststoffe

Die gefüllten Säcke werden nach einer mehrwöchigen Abtropfzeit aus der Filterkammer herausgehoben und gegen neue Säcke ausgetauscht.