Wasser-Wissen


Formaldehyd

Formaldehyd (HCHO) ist ein stechend riechendes, chemisch sehr reaktives, gut in Wasser lösliches Gas. Formaldehyd, einer der wichtigsten organischen Grundstoffe der chemischen Industrie (z.B. in Klebern und Kunstharzen), ist ein Naturstoff und wird auch im menschlichen Körper als Stoffwechselzwischenprodukt gebildet. Symptome einer sehr hohen Formaldehydbelastung sind Augen- und Schleimhautreizungen. Formaldehyd kann auch Allergien auslösen, insbesondere bei Hautkontakt mit der als Desinfektionsmittel »Formol« verwendeten wässrigen Lösung. Gemäß der Chemikalien-Verbotsverordnung dürfen beschichtete und unbeschichtete Holzwerkstoffe (z.B. Spanplatten) nicht in den Verkehr gebracht werden, wenn die durch den Holzwerkstoff verursachte Ausgleichskonzentration in der Luft eines Prüfraums 0,1 ppm überschreitet.

Das ehemalige Bundesgesundheitsamt hat im Hinblick auf den vorbeugenden Gesundheitsschutz einen Richtwert von 1,2 mg/m3 Raumluft (0,1 ppm) empfohlen. Diese Konzentration kann in einem normal großen Zimmer schon erreicht werden, wenn dort zwei Zigaretten geraucht werden. Der Verdacht einer krebserzeugenden Wirkung betrifft nur hohe Konzentrationen im Tierversuch.

HCHO-Lösung in Wasser (Formalin). Farblose stechend riechende Flüssigkeit.

Die "Allround-Chemikalie" F. ist ein wasserlösliches, sehr reaktionsfreudiges, säuerlich-stechend riechendes Gas und als Grundstoff für industrielle Synthesen von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Der MAK-Wert ist auf 0,5 ml/m3 (ppm) bzw. 0,6 mg/m3, der MRK-Wert und der F.-Richtwert des BGA auf 0,1 ppm festgelegt. Da neuere Untersuchungen bei empfindlichen Personen bereits eine Beeinträchtigung des Wohlbefindens ab 0,05 ppm aufzeigen, erscheint eine Herabsetzung der Richtwerte notwendig. 1991 wurden im früheren Bundesgebiet 660.000 t F. produziert, annähernd so viel wie in allen anderen Ländern der EG zusammen. Ca. 45% dieser Menge werden für die Produktion von Bindemitteln zur Herstellung von Holzwerkstoffen verbraucht, z.B. Harnstoff-F.-Harz (Spanplatten). Der Rest verteilt sich auf die Herstellung von Desinfektionsmitteln, Konservierungsstoffen für Farben, Lacke, Kleber u.a. und auf Rüststoffe für Textilien (z.B. knitterfreie Stoffe). F. entsteht auch als Nebenprodukt bei fast allen Verbrennungsprozessen und ist sowohl in Abgasen von Autos oder Gasbrennern als auch im Tabakrauch zu finden. Erste körperliche Reaktionen bei einer F.-Belastung können schon ab 0,03 ppm auftreten und äußern sich in Augen- und Schleimhautreizungen (Schwellung der Nasenschleimhäute, Hustenreiz), weiter können Atembeschwerden und unspezifische Symptome wie Unwohlsein und Kopfschmerzen auftreten. Längerfristig kann F. allergische Reaktionen gegen andere Substanzen begünstigen ("Promotoreffekt"). Allergien durch F. selbst entstehen nur bei direktem Kontakt mit flüssigem F. (Formalin). F. ist in die MAK-Wert-Liste der Stoffe aufgenommen, bei denen ein begründeter Verdacht auf krebserregendes Potential besteht. Die natürliche Konzentration von F. in kontinentaler Reinluft liegt bei etwa 0,001 ppm. Für Belastungsgebiete ergeben sich durchschnittliche Konzentrationen von etwa 0,01 ppm, jedoch wird zu Spitzenbelastungszeiten der in NRW geltende Immissionsgrenzwert von 0,04 ppm überschritten. Die Hauptemissionsquellen im Freien sind Straßenverkehr und F.-verarbeitende Betriebe.

Kleine Spritzer F.-Lösung können mit viel Wasser verdünnt in das Abwasser gespült werden. Größere Mengen von F.-Lösung sowie mit Absorptionsmaterial aufgenommene F.-Lösung müssen als Sondermüll entsorgt werden.

 
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