Mehrkammerabsetzgrube

In Mehrkammerabsetzgruben werden die ungelösten Stoffe durch Absetzen zum Boden oder durch Aufschwimmen zur Oberfläche aus dem Abwasser entfernt. Der Schwimmschlamm wird durch eine Tauchwand oder ähnliche Einrichtungen gehindert, in den Ablauf der Grube zu gelangen. Das durch die Tiefe der Tauchwand geschaffene Volumen reicht bei normaler Belastung mit häuslichem Abwasser aus, den Schwimmschlamm zu speichern.

Mehrkammerabsetzgruben werden als Zwei- oder Dreikammergruben gebaut. In den Trennwänden sind Durchtrittschlitze angeordnet, deren Unterkante mindestens um die Hälfte der Wassertiefe vom Boden entfernt sein muss. Da die Verweilzeit des Abwassers nicht so groß ist wie in Mehrkammerausfaulgrube, ist das Abwasser verhältnismäßig frisch und fault nur zu einem geringen Teil aus. Schwankende Abwasserbelastungen nach Menge und Konzentration werden nur in geringem Umfang ausgeglichen bzw. gepuffert.

Bemessung

Die Bemessung erfolgt nach DIN 4261, Teil 1 Kleinkläranlagen; Anlagen ohne Abwasserbelüftung; Anwendung, Bemessung und Ausführung: nutzbarer Inhalt 0,3 m³/EW, mindestens 3 m³, sofern ein zusätzlicher Schlammspeicher für den anfallenden Sekundärschlamm vorhanden ist, ist das nicht der Fall, ist das Volumen um 0,05 m³/EW bei Tropfkörpern, Rotationstauchkörpern (Tauchtropfkörper) und Tauchkörpern und um 0,125 m³/EW bei Belebungsbecken zu erhöhen (Schlammspeicherzuschlag), bis 4 m³ Gesamtvolumen Ausführung als Zweikammeranlage zulässig, nutzbare Wassertiefe mindestens 1,2 m, größte Wassertiefe je nach Anlagengröße 1,9 bis 3m. Mehrkammerabsetzgrube

Anwendung

Mehrkammerabsetzgruben sind als Vorreinigung vor "technischen" Reinigungsverfahren (Tropfkörper, Rotationstauchkörper, Tauchkörper und Belebungsbecken) zulässig.

Reinigungswirkung

Mehrkammerabsetzgruben haben bei regelmäßiger Räumung eine gute mechanische Reinigungswirkung. Ein Feststoffgehalt im Ablauf von 0,5 ml/l wird in der Regel unterschritten, Grobstoffe werden zuverlässig zurückgehalten. Vielfach wird in Analogie zu den Vorklärbecken von Großkläranlagen angenommen, dass bei Absetzgruben BSB5-Abnahmen von 30% - 35% erzielt werden können.

Die Praxis hat hingegen gezeigt, dass insbesondere bei kleinen Anlagen mit nur zwei Kammern durch das komplexe Zusammenwirken von Sedimentationsvorgängen und biologischen Prozessen, Schlammfaulung, Gasentwicklung und damit Störungen des Absetzens und Aufschwimmen abgesetzten Schlammes sowie Rücklösung von Reaktionsprodukten der anaeroben Schlammzersetzung die BSB5-Abnahme zeitlich veränderlich ist und jeden Wert zwischen 0% und 50% annehmen kann. Ähnliches gilt auch für den CSB.

Geruchsemission und Korrosion

Das abfließende Wasser ist in jedem Falle angefault, kann zu Geruchsbelästigungen führen und setzt materialangreifende Gase frei. Dies ist bei der Wahl der Baustoffe und beim Korrosionsschutz zu berücksichtigen.

Reststoffe

Räumintervall Gemäß DIN 4261, Teil 3 Kleinkläranlagen; Anlagen ohne Abwasserbelüftung; Betrieb und Wartung sind Mehrkammerabsetzgruben mindestens einmal pro Jahr zu räumen. Der anfallende Schlamm besteht aus Grobstoffen, Primärschlamm und dem Sekundärschlamm der nachgeschalteten aeroben biologischen Reinigungsstufe.

Stabilisierungsgrad

Er ist nicht vollständig ausgefault (stabilisiert) und enthält nicht zersetzte, sichtbare Grobstoffe aus dem Hygienebereich. Bei vollständiger Entleerung aller Kammern entspricht die Menge des anfallenden Schlamm-Wasser-Gemisches naturgemäß dem Gesamtvolumen der Absetzgrube.