September 2011

Wasser-/Abwassernachrichten

(News-Archiv)

Giftgas macht Abwasseranlagen kaputt
Schwefelwasserstoff zerfrisst den Beton der Abwasserschächte. Die Ursache: Es wird zu wenig Schmutzwasser eingeleitet.

sz-online.de, 27.09.2011

Zu den negativen Auswirkungen von Bevölkerungsrückgang und mangelndem wirtschaftlichen Aufschwung ist jetzt noch eine hinzugekommen: Das Kanalsystems fürs Abwasser beginnt zu bröckeln. Das klingt abwegig, ist aber eine Tatsache. Wenn zu wenig Abwasser durch die Kanäle fließt, entsteht Schwefelwasserstoff, der massiv den Beton der unterirdischen Anlagen angreift. (...)

Schwefelwasserstoff bildet sich dort, wo Abwasser lange steht, etwa in Pumpwerken, die nur in größeren Abständen das Schmutzwasser absaugen. (...) Eine Messung der Oewa ergab eine zeitweise hohe Konzentration des Gases. Eine Menge, die auch für Menschen tödlich wäre. „Deshalb klettern unsere Mitarbeiter auch nur mit Gaswarngeräten in die Kanäle“, (...). Außerhalb der Schächte wird das Gas so weit verdünnt, dass nicht passieren kann. Für Beton und Eisen ist aber eine andere Wirkung des Schwefelwasserstoffs tödlich: In Verbindung mit Kondenswasser bildet das Gas eine sehr agressive Säure.

Bei AZV und Oewa ist man aufgeschreckt. (...) Man versucht, die Gefahr rechtzeitig zu erkennen. „Wenn die Abwasserschächte erst einmal nicht mehr standsicher sind, wird die Sanierung sehr teuer“(...). An fünf Pumpwerken im Verbandsgebiet (....) soll die Konzentration des Gases jeweils einen Monat lang gemessen werden. „Wir wollen untersuchen, welche Möglichkeiten es gibt, Schäden zu verhindern“(...). Möglich sind vor allem zweierlei Dinge: Das Beschichten des Betons der Abwasserschächte mit einem Kunststoff, der nicht angegriffen wird. Oder der Einsatz von Chemie, um das Bilden des Gases zu verhindern. „Dadurch würden aber dauerhafte Kosten entstehen“(...).

Das Problem mit dem Schwefelwasserstoff dürfte sich in den kommenden Jahren eher verschlimmern als verbessern. Der Grund: Der Verbrauch von Trinkwasser verringert sich und damit auch die Durchflussmengen in den Abwasserleitungen. Außerdem sollen nur noch sogenannte Trennsysteme genehmigt werden, wo das Regenwasser und Abwasser in verschiedenen Kanälen abgeleitet wird. (...) [weiter]

 

DWA fordert engere Einbindung der Wasserkraft in Energiewende

net tribune, 26.09.2011

Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) hat im Zuge der Energiewende eine größere Einbindung der Wasserkraft gefordert. Ohne Wasser gebe es keine Energie (...). So stelle die Wasserwirtschaft einen Anteil von 19 Prozent an der bundesweiten Energieerzeugung und produziere durchschnittlich mehr als 20 Terrawattstunden (TWh) im Jahr. Das entspricht in etwa der Leistung zweier großer Kraftwerke. Im Jahr 2010 betrug der Stromverbrauch in Deutschland 600 TWh.

Es müssten alle Anstrengungen unternommen werden, um den Anteil der Wasserkraft an der Energiewende zu erhöhen (...). So ist laut einem DWA-Positionspapier eine Steigerung um etwa 4 bis 5 TWh pro Jahr möglich.

Auch die Abwasserentsorgung bietet demnach Möglichkeiten zur Energieeffizienz. Von 10.000 Kläranlagen im Land produzierten rund 1.000 Anlagen jährlich rund 1,1 TWh Strom (...). Angestrebt werde eine Erzeugung von 3 TWh pro Jahr. Eine zentrale Forderung sei daher eine Angleichung der Vergütung von Klär- und Biogasstrom im Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG). (...) [weiter]

 

Große Unterschiede bei Leitungswasser-Kosten

sueddeutsche.de, 14.09.2011

Große regionale Unterschiede beim Wasser: Verbraucher in Rostock müssen laut einer Untersuchung jährlich hunderte Euro mehr für Leitungswasser bezahlen als Menschen in Ingolstadt. Dies ergab eine Erhebung in bundesweit 80 Städten (...).

In Rostock zahlt ein Vier-Personen-Haushalt mit einem täglichen Wasserverbrauch von 500 Litern demnach 535,71 Euro im Jahr. Die günstigste Stadt in diesem Ranking ist Ingolstadt: Dort werden (...) für denselben Verbrauch lediglich 204,60 Euro in Rechnung gestellt. Die Abwasserkosten wurden bei der Berechnung nicht berücksichtigt. Die Rostocker Eurawasser GmbH bemängelte die Berechnung. Nach ihren Angaben liegt der Preis für einen Vier-Personen-Haushalt bei dem hier veranschlagten Durchschnittsverbrauch in der Stadt bei rund 516 Euro.

(...) Kartellamts-Präsident Andreas Mundt fordert weitere Befugnisse für die Wettbewerbshüter. Es gelte, die kartellrechtliche Missbrauchsaufsicht zu verschärfen, «um künftig nicht nur bei überhöhten Wasserpreisen sondern auch bei Gebühren kommunaler Wasserwerke eingreifen zu können.» Zuvor hatte bereits die Bundesnetzagentur eine einheitliche Regulierung des Wassermarkts in Deutschland verlangt, um Verbraucher zu entlasten.

Zu der Untersuchung erklärte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), die Wasserpreise in Deutschland seien unterschiedlich hoch, «da es die Wasserversorger mit regional sehr verschiedenen Strukturen zu tun haben, die nicht oder nur teilweise beeinflussbar sind». Dabei gehe es um eine Vielzahl unterschiedlicher Bedingungen bei der Wassergewinnung, der Wasseraufbereitung und der Verteilung an die Kunden über ihre Leitungsnetze. (...) [weiter]

 

Sauberes Wasser für Südafrika - Die Arbeiten am Projekt "Kommunales Wasserhaus" sind abgeschlossen

idw-online.de, 14.09.2011

Vor fünf Jahren startete das von der Universität Potsdam initiierte und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „Wasserhaus Südafrika“. Ende August ist es erfolgreich beendet worden. Die Demonstrationsanlage in der Eastern Cape Province bietet Lösungen an, um dem vorhandenen Wassermangel, der schlechten Qualität des Wassers und den oft unzureichenden hygienischen Bedingungen im Land wirkungsvoll zu begegnen. (...)

Das Projekt setzt auf ein integriertes Wassermanagement, Wassermehrfachnutzung und solare Energienutzung. Die Anlage bietet technische Lösungen zum nachhaltigen Umgang mit den in Afrika so knappen Ressourcen Wasser und Energie und ist vor allem für die Bewohner ländlicher Gemeinden in Südafrika von großer Bedeutung. (...) Politik und Wirtschaft setzen darauf, dass auch andere Kommunen das Konzept übernehmen und dass auch weiter solche Einrichtungen gebaut werden, um die Lebensverhältnisse möglichst vieler Menschen in Südafrika und darüber hinaus zu verbessern. Anfragen aus anderen Landesteilen gibt es bereits. (...)

Das Wasserhaus bleibt auch nach dem offiziellen Abschluss des Projekts im Blick seiner Initiatoren. Derzeit laufen vor Ort Maßnahmen zur Förderung des Verständnisses für Wasser-, Energie- und Klimafragen sowie zur Entwicklung von Geschäftsideen, um Beschäftigung und Einkommen in der Gemeinde zu fördern. [weiter]

 

Medikamente im Trinkwasser

wiwo.de, 10.09.2011

In den Achtzigerjahren waren viele Flüsse in Deutschland biologisch tot. Heute dagegen sind laut Bundesumweltministerium neun von zehn Gewässern dank hoher Umweltauflagen und Millioneninvestitionen in die Klärung der Abwässer wieder in gutem Zustand. Doch jetzt droht eine neue Gefahr: Arzneireste im Trinkwasser.

Zwar sind die Werte laut Umweltbundesamt für Menschen ungefährlich. Doch wie sich der verdünnte Medikamentenmix langfristig auf Menschen auswirkt, weiß niemand. Bei Fischen aber führten Rückstände hormonell wirkender Stoffe im Wasser bereits dazu, dass männliche Tiere auch weibliche Geschlechtsmerkmale entwickeln.

Die Substanzen werden von Menschen, aber auch von medikamentös behandelten Nutztieren wie Rindern und Schweinen ausgeschieden. Weil konventionelle Kläranlagen die Stoffe bisher nicht herausfiltern, gelangen sie in die Flüsse. Das ist problematisch, weil viele Wasserwerke Rohwasser aus Flussuferfiltrat gewinnen. Und so fanden sich im Trinkwasser laut Umweltbundesamt seit 2008 bereits mehrfach Rückstände von Rheuma-, Schmerzmitteln und anderen Arzneien. (...) [weiter]

 

Sinkende Widerstandsfähigkeit bei Korallen und Mollusken aufgrund der Versauerung des Mittelmeers

idw-online.de, 02.09.2011

Die Weltmeere absorbieren rund ein Viertel der Kohlendioxid-Emissionen (CO2), die bei der Nutzung fossiler Brennstoffe und der Entwaldung entstehen. Das entspricht ungefähr 1 Million Tonnen CO2 pro Stunde. Dies führt zu einer Veränderung der chemischen Zusammensetzung der Meere, insbesondere zu einer Erhöhung des Säuregehalts. Diese Erhöhung stellt eine Bedrohung für die Organismen dar, die Gerüste oder Muschelkalk bilden, wie Korallen und Mollusken (Weichtiere).

(...) Im Rahmen einer Studie vom Labor für Ozeanographie in Villefranche-sur-mer haben Forscher Korallen, Schalentiere und Muscheln um die Insel Ischia (Golf von Neapel, Italien) ausgesetzt, da das Wasser dort bereits auf natürliche Weise durch CO2-Quellen, die auf die Vulkanaktivität des Vesuvs zurückzuführen sind, übersäuert ist. Mit radioaktiven Isotopen konnten sie aufzeigen, dass die Kalkproduktion dieser Organismen selbst bei dem für 2100 erwarteten Säuregehalt (pH von 7,8 im Jahr 2100, verglichen mit pH von 8,1 heute) möglich ist. (...) Die Teile der Schalen bzw. Gerüste, die nicht durch Gewebe oder organische Moleküle geschützt werden, sind wesentlich gefährdeter und lösen sich je nach Säuregehalt des Wassers schnell auf. Die Forscher konnten außerdem nachweisen, dass sich die Widerstandsfähigkeit deutlich verringert, je länger diese Organismen ungewöhnlich hohen Temperaturen (28,5°C) ausgesetzt sind. Die Sterblichkeit dieser Organismen steigt demzufolge mit dem Säuregehalt. (...) [weiter]