Zeitungsartikel zur Geschichte der Abwasserreinigung

Celler Landrat trifft Anordnungen für Schulen; Die Cholera

Cellesche Zeitung, den 20.10.2003 

Vor wenigen Jahrzehnten noch glaubte manch einer, die großen Seuchen der Vergangenheit habe man dank medizinischer Forschung und gesundheitlicher Vorsorge völlig im Griff oder gar überwunden, und neu auftretende Erreger werde man schnell ermitteln und daher bekämpfen können. Doch die Zeitläufe sollten uns eines Besseren belehren. Man denke nur an Aids, BSE oder SARS. Es lohnt sich daher, einmal wieder einen Blick auf noch gar nicht so lange zurückliegende Ereignisse zu werfen, die auch unsere Heimat berührten und über Wochen für Schlagzeilen in der Regionalpresse sorgten. Im folgenden soll daher berichtet werden über die Cholera, die damals allein in Hamburg 8.600 Tote forderte.

Die Katastrophe begann 1892 mit einem überdurchschnittlich heißen August. Obwohl jedermann unter der Hitze stöhnte, ging er doch täglich seiner gewohnten Arbeit nach. Im Hamburger Hafen wurden unermüdlich Schiffe aus aller Welt gelöscht und beladen. Unter diesen Schiffen war auch eines aus der französischen Hafenstadt Le Havre. Dort war wenige Wochen zuvor die Cholera ausgebrochen. Vielleicht war die Nachricht auch nach Hamburg gelangt. Aber man kümmerte sich nicht darum; denn am Ende des 19. Jahrhunderts gab es Cholera-Epidemien in Europa immer wieder einmal. Dass dieser Krankheit in solchen Fällen jedesmal Hunderte erlagen, war bekannt. Auch Hamburg war in der Vergangenheit davon nicht verschont geblieben. Keine zwanzig Jahre war es her, dass auch hier die Seuche rund 1000 Menschen dahingerafft hatte. Was diesmal auf die Stadt zukommen würde, ahnte niemand, als am 16. August ein 24jähriger Mann in das Eppendorfer Neue Allgemeine Krankenhaus eingeliefert wurde und tags darauf starb. Da gab es bereits vier neue Fälle. Sie steigerten sich in den folgenden Tagen rapide: Am 22. August waren es bereits 249.

Eingeschleppt durch russische Emigranten?

An Spekulationen, wer diese gefährliche Krankheit hierher getragen haben könnte, fehlte es nicht. So tippte man anfangs auf russische Emigranten, die in einem Barackenlager der Stadt einquartiert waren. Die CZ bezog sich am 22. August auf einen Bericht aus Harburg, nach dem ein Bootsmann des im Petroleumhafen liegenden Oberländer Kahnes Nr. 54 nach wenigen Stunden gestorben war. Das Schiff wäre aus Österreich gekommen und hätte seit 14 Tagen in Hamburg gelegen. Da die Krankheit jedoch eine wesentlich kürzere Inkubationszeit hat, sollte sich dieser Verdacht nicht bestätigen. Auch schrieb man an diesem Tage bereits, dass es in der Hafengegend weitere Krankheitsfälle gebe. Verharmlosend hieß es jedoch, dass es hierbei um die alljährlich während der heißen Jahreszeit auch hier vorkommende Cholerine gehe, womit wohl eine weniger lebensgefährliche Form dieser Erkrankung gemeint war. Auch am folgenden Tage (23. August) schrieb ein Arzt, es handele sich in Hamburg nicht um die asiatische Cholera. Man habe inzwischen Kajüte und Kleidung des verstorbenen Matrosen gründlich gesäubert. Doch die Zahl der Erkrankungen stieg weiter ungeahnt an. Nun schreckte auch der höchste Gesundheitsbeamte der Stadt auf und berichtete dem Hamburger Senat in einem Brief: Beehre mich ergebenst anzuzeigen, daß ich glaube, daß hier eine Cholera-Epidemie ausgebrochen ist. Dieser Nachricht und dem stetigen Ansteigen der gemeldeten Fälle stand man recht hilflos gegenüber. Man war in keiner Weise auf eine solche Epidemie vorbereitet. Schon nach wenigen Tagen waren die Desinfektionsmittel vielfach ausverkauft. Soweit möglich, wurden auswärtige Ärzte nach Hamburg geholt. Auch wurden Truppen in die Stadt verlegt, damit zusätzliches Personal für Hilfsarbeiten und Krankendienst zur Verfügung standen. Die Beförderung erkrankter Personen übernahm die Sanitätskolonne der Feuerwache. Ein Transport mit Droschken und mit der Pferdebahn wurde verboten. Dennoch stieg der Zahl der Cholerakranken unaufhörlich weiter.

Cholera — Giftstoffe töten Darmgewebe ab

Die Cholera ist eine Infektionskrankheit, die vier bis fünf Tage nach der Ansteckung plötzlich ausbricht. Beim Erreger handelt es sich um einen Bazillus, der unter dem Mikroskop erst bei etwa fünfhundertfacher Vergrößerung zu erkennen ist. Da er die Form eines leicht gekrümmten Stäbchens hat, wird er auch Kommabazillus genannt. Am Ende seines Körpers trägt der Bazillus eine fadenförmige Geißel, mit der er sich durch schnelles Schwänzeln in Blut und Wasser fortbewegt. Die Cholera-Krankheit äußert sich in schweren Durchfällen. Dazu kommen Schüttelfrost und Erbrechen. Der durch den bis zu zwanzigmal täglichen Durchfall bedingte Wasserentzug dickt das Blut ein. Die Giftstoffe, die die Cholerabazillen ausscheiden, töten das Darmgewebe ab, das sich in Flocken und Fetzen auflöst und bei den Durchfallkrämpfen ausgeschieden wird. Die körperlichen Schäden sind so stark, dass ungefähr jeder zweite Erkrankte stirbt.

Menschen lebten in Schmutz und Elend

Im Hafen und im düsteren Gängeviertel der Hamburger Altstadt lebte viele Menschen in Schmutz und Elend eng beieinander. War das allein der Grund, dass sich die Krankheit so schnell ausbreitete? Glücklicherweise kannte man in Hamburg bereits den berühmten Arzt Robert Koch (1843 - 1910), dem Begründer der Bakterienforschung. Er hatte schon den Milzbranderreger entdeckt und einige Zeit später auch den Tuberkulose-Bazillus nachgewiesen. Danach hatte er sich auf Forschungsreisen nach Ägypten und Indien, dem Ursprungsland dieser Krankheit, mit der Cholera befasst und auch den Erreger gefunden. Nur er konnte offenbar helfen, die Katastrophe in Hamburg zu lindern oder gar zu beenden. So rief der Hamburger Senat ihn bereits am 24. August in die Stadt mit der Bitte, möglichst schnell den Grund für die schnelle Ausbreitung dieser Seuche zu finden. Es gelang ihm auch in kürzester Zeit: die Ursache lag im verseuchten Grundwasser und in der Entnahme von Brauchwasser direkt aus der Elbe. Doch auch Robert Koch unterschätzte offenbar die Gefahr, die über Hamburg hereingebrochen war. Die CZ berichtete nämlich am 26. August, der Arzt halte die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle mit Rücksicht auf die Größe Hamburgs nicht für bedeutsam. Dennoch sei der Charakter der Krankheit äußerst besorgniserregend. Bereits vor Ausbruch der Krankheit scheidet jeder Cholerakranke große Mengen an Bazillen aus. Da es noch keine Kanalisation mit Kläranlagen gab, floss das Abwasser in die Fleete und damit in die Elbe ab. Dieser Fluss war damals aber der entscheidende Trinkwasserlieferant für Hamburg. Man pumpte zwar das Trinkwasser oberhalb der Stadt ab, aber es wurde doch auch dorthin durch jede Flut verseuchtes Wasser wieder zurückgetragen. So steckten sich viele Hamburger durch das ungefilterte Trinkwasser an. Das nahe Harburg blieb dagegen weitgehend verschont. In dieser damals zu Preußen gehörenden Nachbarstadt gab es bereits ein eigenes Wasserwerk, das mit Sandfiltern ausgestattet war. Als man nun wusste, wie gefährlich das ungefilterte Wasser aus der Elbe für den menschlichen Genuss ist, konnte die Bevölkerung gewarnt werden: Niemand durfte ungekochtes Wasser trinken oder zum Waschen und Abwaschen verwenden. Jeder Genuss von roher Milch oder rohem Obst wurde untersagt. Wäsche und Wohnungen sollten peinlich sauber gehalten werden. Doch die Befolgung dieser Forderung war leichter gesagt als getan, wenn man an die Menschen in den alten Häusern der Gängeviertel dachte. Neben der Trinkwasserversorgung lag eine der Hauptursachen für die Ausbreitung der Krankheit in der Wohnungsfrage. Die CZ berichtete am 27. August, dass in der Hamburger kurzen Steinstraße mehr als 30000 Menschen auf engstem Raum in so genannten Terrassen lebten. Dazu kam die sommerliche Hitze. Am schwierigsten war es, die Bevölkerung mit einwandfreiem Trinkwasser zu versorgen und so die Gesunden vor einer Ansteckung zu schützen. Denn viele Familien besaßen nicht einmal das Geld, um sich Feuerung für das Abkochen des Wassers zu beschaffen, geschweige denn, um sich Kohlefilter zur Reinigung des Wassers zuzulegen. Dem Hamburger Senat blieb nichts anderes übrig, als abgekochtes Wasser kostenlos abzugeben. Zu dessen Gewinnung wurden auf allen größeren Plätzen der Stadt und in den Vorstädten Holzbuden errichtet, in denen Lokomobile — fahrbare Dampfkessel — aufgestellt wurden, die von frühmorgens bis zum späten Abend heißes Wasser produzierten. Jeder konnte sich so viel holen, wie er brauchte. Wo keine Lokomobile aufgestellt werden konnten, schaffte man abgekochtes Wasser in Fässern herbei. Auch halfen die Hamburger Brauereien. Sie besaßen bereits Tiefbrunnen, aus denen keimfreies Wasser gewonnen werden konnte. Nachdem die Zahl der Erkrankungen in Hamburg auf mehrere Hundert gestiegen war, machte man sich auch im näheren und weiteren Umland Gedanken, uns diesen unheimlichen Gast vom Halse zu halten, wie am 25. August aus Burgdorf berichtet wurde. Hier hatte sich eine Kommission gebildet, der Bürgermeister Schuster, Kreisphysikus Dr. Halle und mehrere angesehene Bürger der Stadt angehörten. Zwei Tage später gab es auch in Lehrte eine Sanitäts-Kommission, deren Aufgabe es ist, diejenigen Uebelstände in unserem Orte zu beseitigen, welche geeignet sind, zur Einschleppung resp. Weiterverbreitung der Cholera beizutragen.

Desinfektionshalle auf dem Lehrter Bahnhof

Die größte Gefahr sah man darin, dass die Krankheit durch Reisende in ihre Orte getragen werden könnte, vor allem mit den aus Hamburg kommenden Zügen. Man beabsichtigte daher, auf dem Lehrter Bahnhof eine Desinfektionshalle aufzustellen. Außerdem stellte man am Steinwedeler Kommunikationsweg eine Baracke auf, in der bei Bedarf bis zu zwölf Kranke untergebracht werden konnten. Auch der Landkreis Celle veröffentlichte am 26. August eine Polizeiverordnung, die schon am 30. Juli erlassen worden war und die Ein- und Durchfuhr von Waren aus Russland regelte, wo ebenfalls die Cholera grassierte und woher man zunächst die Einschleppung der Seuche vermutet hatte. Man forderte die Bevölkerung auf, größte Reinlichkeit zu beachten, schloss aber mit dem Hinweis: Schließlich warne ich eindringlich vor übertriebener, das Maß vernünftiger Vorsicht überschreitender Angst... Jeder erwarte ruhig das Kommende. An diesem 27. August brachte das Lehrter Stadtblatt erstmals Meldungen aus verschiedenen Orten. Auch die Cellesche Zeitung verlagerte die Berichterstattung aus dem lokalen Teil in die Rubrik Deutsches Reich, weil überall im Lande kleinere Krankheitsherde aufflackerten. In Berlin hatte man zwei aus Hamburg mit der Bahn kommende choleraverdächtige Reisende in Polizeibegleitung wieder bis Wittenberge zurückspeditirt. — In Hamburg versuchte man den Ausbruch der Seuche laut Hamburger Correspondenz noch herunterzuspielen. Der Verkehr und auch der Fremdenverkehr sei nicht beeinträchtigt, hieß es in dieser Zeitung. Die Börse werde wie gewöhnlich besucht. Vorsichtshalber habe man aber dort ein Krankenzimmer eingerichtet. Allerdings musste man zugeben, dass in den ersten sechs Tagen von 219 Erkrankten bereits 75 gestorben waren. Die hiesigen Desinfektionsgeschäfte sind von Käufern förmlich umlagert. Hier und dort wurden Desinfektionsmittel sogar gratis abgegeben, auch Cognac, dessen Genuss vor Ansteckung bewahren sollte. — Eine andere Hamburger Meldung sah die Lage offenbar realistischer. In ihr war die Rede von 300 Toten: Die Leichenhäuser sind überfüllt. — In Altona wurden vorsichtshalber zwei Kompanien des 85. Regiments aus der Stadt in ein Biwak bei den Bahrenfelder Schießständen verlegt. — Auf einem deutschen Segler, der Rotterdam angelaufen hatte, starb ein Matrose an Cholera.

Leichenwagen reichen nicht aus

Schon in den ersten Tagen der Epidemie reichten die Leichenwagen nicht mehr aus. Am 29. August berichtete die CZ, man habe zusätzlich auf 30 Equipagen (vornehme Pferdekutschen), Möbel- und sogar Brotwagen zurückgreifen müssen. Alle Tanzvergnügen und Versammlungen wurden verboten, die Schulen geschlossen. Vorsichtshalter traf der Celler Landrat von Frank auch Anordnungen für die Schulen im Landkreis Celle, falls in einem Ort die Cholera ausbrechen sollte. Viele Menschen, die nicht zwingend in Hamburg bleiben mussten, versuchten für die Zeit der Epidemie eine Bleibe auf dem Lande zu finden. Dabei handelte es sich vor allem um wohlhabende Familien, die es sich leisten konnten, längere Zeit Hamburg zu verlassen. So trafen im Kreis Burgdorf laut Meldung vom 29. August fast mit jedem aus Hamburg kommenden Zug Cholera-Flüchtlinge ein. Soviel Verständnis man auch für diese Hamburger hatte, so fürchtete man doch gleichzeitig durch sie eine Einschleppung und Verbreitung der Seuche.

Kontrollen auf den Bahnhöfen Das Burgdorfer Wochenblatt vom 30. August bringt bereits eine Fülle von Meldungen zur Cholera-Epidemie: Der Lehrter Bahnhof in Berlin wurde bei Ankunft eines jeden Zuges aus Hamburg für den Publikumsverkehr gesperrt, bis die Anreisenden überprüft worden waren. Die bisherigen Verdachtsfälle hatten sich hier jedoch nicht bestätigt. Einer der Verdächtigen hatte zum Beispiel zu viel Bier getrunken und sich deshalb übergeben müssen. — In den Markthallen wurden die Waren aufs schärfste kontrolliert. Unsauber aussehendes Fleisch und Wild wurde beschlagnahmt. Aber auch 16 Zentner unreife Pflaumen wurden aus dem Handel genommen. — Ausführlich wird in der Berliner Presse auch der Einsatz von Robert Koch gewürdigt. Ein Hamburger Arzt schilderte gegenüber der Vossichen Zeitung seinen Arbeitsalltag. Er hatte an einem Tag über 60 Besuche gemacht und komme auch nachts kaum aus seinen Kleidern. Betroffen seien von der Seuche vor allem Proletarierkreise. Die Sterblichkeitsziffer sei erschreckend hoch. Er bemängelte die völlig unzureichenden sanitären Einrichtungen. Hamburg mit einer halben Million Einwohnern besitze nur elf Krankenwagen. Kranke und Tote blieben oft fünf bis sechs Stunden im Hause, bis sie abgeholt würden. Inzwischen hatte man sämtliche Schulen geschlossen. Versammlungen und Vergnügungen waren verboten worden. Das geschäftliche Leben war fast vollständig lahm gelegt. Der Hafen war verödet. Kein Schiff lief mehr aus. Die Kirchen erwogen die Abhaltung eines allgemeinen Bettages. Von Adolf Meyer.

 

Die Pionieranlage

St. Gallen Tagesblatt, 07.10.2002

Wittenbach. Dass Bauern mit ihren Güllenfässern Schlange stehen, um Klärschlamm für Wiesen und Äcker abzuholen, ist heute unvorstellbar.

Gerold Huber

Sie war die erste Kläranlage in der Schweiz, die Abwasser biologisch reinigen konnte. 1917 hatte St. Gallen also eine Pionieranlage. Das Werk Hofen in Wittenbach war nötig geworden, weil das städtische Wassernetz Druckleitungen in die Wohnhäuser ermöglichte. «Water closed - mit Wasser verschlossen» wurden die Plumpsklos. Der Siphon hielt unangenehme Gerüche fern - auch in den Wohn- und den Waschküchen. Der Wasserkonsum stieg in der Folge um ein Mehrfaches. Noch bis vor hundert Jahren hatten die Bauern alle Abwässer aus den Jauchegruben der Wohnhäuser entnommen und damit ihre Wiesen gedüngt. Die alsbald aber stets verdünntere und in immer schnelleren Abständen anfallende «Hüsli-Bschötti» musste via Überläufe in die Stadtbäche geleitet werden: Die Wohnhygiene war zwar besser geworden, dafür stanken nun die Bäche zum Himmel.

Kann heute Klärschlamm nicht mehr zum Düngen verwendet werden, hängt das damit zusammen, dass durch unsere Konsumgewohnheiten stetig mehr synthetische Stoffe und Schwermetalle ins Wasser gelangen. Der wertvolle Dünger kehrt somit nicht mehr in den natürlichen Kreislauf zurück, muss verbrannt, die Schlacke deponiert werden (in der Deponie Tüfentobel bei Engelburg).

 

Pegnitz ist sauberer geworden

Seit heuer hat Nürnbergs Pegnitz die Wassergüte 2: mäßig belastet. Aber Baden ist nicht zu empfehlen.

Nürnberger Nachrichten, den 05.06.2003 

Schon vor der Industrialisierung waren die Städter insofern Dreckbären, als sie große Mengen Abwasser einfach in den Fluss leiteten. Hauptsache, es gab in den eigenen Grenzen keine Epidemien; die letzte soll 1856 etwa 300 Menschen das Leben gekostet haben. Zwangsläufig bekamen die Fürther einen Fluss, von dem ein Drittel Nürnberger Abwasser war. Sie machten es selbst nicht anders.

Die alte Reichsstadt kam auf Dauer nicht umhin, die Abwässer zu reinigen. Als erste Großstadt in Bayern nahm sie 1913 eine Großkläranlage an der Maximilianstraße in Betrieb. Die säuberte jedoch nur Abwasser des südlichen Stadtgebietes. Ein zweites Klärwerk musste her, an der Stadtgrenze zu Fürth. Dazu ein Hauptzuführungskanal, der alle Abwässer aus Altstadt und Norden nach Doos bringen sollte. Er wurde 1928 gebaut, war 3,4 Kilometer lang und hatte 29 Pumpwerke.

Foto: privat

Kürzlich brachte ein Mitarbeiter, der in Ruhestand ging, Harald Bauer vom Stadtentwässerungsbetrieb (STEB) eine Schachtel mit 400 alten Fotografien. Sie zeigten, wie damals gebaut wurde: Handarbeit, Dampfmaschinen, Pferdefuhrwerke, kein einziger Lastwagen auf den Fotos. Die Rohre wurden vor Ort in Beton geformt, der auch heute noch seine Pflicht erfüllt. 75 Jahre Hauptzuführungskanal waren für STEB und das Museum Industriekultur an der Äußeren Sulzbacher Straße 62 Grund genug, die Bilddokumente in einer Fotoausstellung bis 29. Juni 2003 zu zeigen. Museumsleiter Matthias Murko: „Abwasserbeseitigung ist sehr wichtig, aber kaum sichtbar. Hier gewinnt man guten Einblick.“

Auf den Lorbeeren ausruhen durfte sich Nürnberg nicht. Bis 1965 galt die Pegnitz als übermäßig verschmutzt (Güteklasse 4). Nun also Güteklasse 2. Der technische STEB-Leiter Rainer-Werner Abendt berichtet: „Unlängst war einer unserer Laboranten ganz beglückt: Er hatte einen Hakenkäfer entdeckt. Die können nur in gutem Wasser leben.“ Von Siegfried Ruckdeschel