Wasser-Wissen



Regenüberlauf (RÜ)

(storm water overflow) Anlagen zur Entlastung hoher Mischwasserabflussspitzen aus dem Kanalnetz ohne vorherige Behandlung in einem Becken. Im Mischsystemen wird Regen- und Schmutzwasser gemeinsam einem Kanal und damit dem Klärwerke zugeführt. Zur Entlastung der Mischwasserkanalisation und der Kläranlage bei starken Regenereignissen müssen in diesem System Stauräume und Entlastungsbauwerke vorgehalten werden. Die Inhalte der Stauräume werden nach Regenende zur Kläranlage abgeleitet und dort gereinigt. Nur der Anteil, der das Rückhaltevolumen der Stauräume übersteigt, wird als stark verdünntes Mischwasser am Regenüberlauf in ein Gewässer eingeleitet.

Der Regenüberlauf ist somit ein Bauwerk, über das überschüssiges Mischwasser in den Vorfluter abgeschlagen wird. Ist das Bauwerk in Form eines Beckens, welches Teilkapazitäten zeitversetzt zurück in die Kläranlage liefern kann, so wird es Regenüberlaufbecken (RÜB) genannt.

Beispielsweise gibt es Entlang der Elbe einen unterhalb der Dresdner Vogelwiese gelegenen Regenüberlauf des insgesamt ca. 1.300 km langen Kanalisationsnetzes, welches zur Entlastung der vielen Kanäle bei großen Niederschlagsmengen dient. Da Dresden über eine Mischkanalisation verfügt, fließt das überlaufende, mit Regenwasser verdünnte Schmutzwasser in die Elbe. Häusliche und industrielle Abwässer gelangen so in niederschlagsreichen Perioden ungeklärt in den Fluss. Durch diese und andere Einleitungen kommt es weiterhin zur Anreicherung von Schadstoffen und Reduzierung des Sauerstoffgehaltes, wenngleich sich die Qualität des Elbwassers seit 1990 insgesamt verbessert hat.

Die ideale Alternative zur Vermeidung dieser "Notlösung" ist ein Trennsystem, welches allerdings aus Kosten- und infrastrukturellen Gründen nicht immer realisiert werden kann.

 Siehe auch ATV-Arbeitsblatt A128 und ATV-Arbeitsblatt A166.


Quelle: Entwässerungsbetriebe Mainz